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Amazon Retail Arbitrage

Retail Arbitrage im Amazon Handel – Alles, was ein Barcode hat

Als Händler auf amazon.com ist einem sicher schon häufig der Begriff Retail Arbitrage begegnet. Hier in Deutschland gewinnt das Geschäftsmodell aber gerade erst an Beliebtheit.

Besonders für Einsteiger ins Amazon Business kann diese Art des Handels aber ein sehr spannendes Thema sein. Ein Mann, der sich bestens mit dem An- und Verkauf von Handelsware auskennt, ist Philip Kleudgen von amaclick.de. Er ist selbst Amazon Händler und berät Seller, von Einsteiger bis Profilevel, wie man sein Business mit Retail Arbitrage aufbauen und skalieren kann.

Retail Arbitrage vs. Handelsware – Gibt es einen Unterschied?

Ob nun der Begriff Handelsware oder Retail Arbitrage fällt, spielt für Philip Kleudgen keine Rolle. Für ihn ist Retail Arbitrage das Geschäft mit Handelswaren, da es sich bei den verkauften Produkten immer um Fremdmarken handelt. Quasi alles, was einen Barcode hat, fällt unter den Oberbegriff Retail Arbitrage. Dabei ist es vollkommen egal, ob man seine Ware aus dem Supermarkt um die Ecke, im Großhandel oder Online bezieht.

Die zentralen Vorteile des Retail Arbitrage Geschäfts sind:

  1. Geringe Kapitalanforderungen – Man kann mit einem Artikel in geringer Stückzahl beginnen.
  2. Fremdmarken (Markenartikel bringen Bekanntheit und Suchvolumen mit, sodass Werbeausgaben deutlich geringer oder teilweise gar nicht nötig sind.
  3. Geringeres Risiko

Der An- und Verkauf von Handelswaren ist für Kleudgen außerdem der perfekte Einstieg ins Amazon FBA Geschäft. Denn besonders für Neueinsteiger, die mit den Prozessen und Eigenheiten des Amazon-Handels noch weniger vertraut sind, bietet es mehr Vor- als Nachteile.

Mit dem Handy in den Supermarkt

Wie Kleudgen erzählt, ist eine typische Vorgehensweise von Berufseinsteigern im Retail Arbitrage Geschäft, mit dem Handy in der Hand durch die Supermärkte in der näheren Umgebung zu laufen und die einzelnen Produkte zu scannen. Dies funktioniert mit der Amazon Seller App, mit der man die Barcodes aller Produkte erfassen kann und sofort Informationen über Abverkauf und Preisspanne auf Amazon erhält. So hat der Händler eine direkte Einschätzung, ob es sich lohnt diesen Artikel in sein Sortiment aufzunehmen oder eben nicht.

Als Faustregel gilt: Um die Transaktionsgebühren und FBA Kosten wieder auszugleichen sollte der Artikel für den dreifachen Preis auf Amazon verkauft werden.

Besonders beliebt für den Anfang sind Produkte von Wühltischen oder stark reduzierte Waren im Kaufhaus – von Haushaltselektronik, über Spielzeug oder Lebensmitteln kann alles dabei sein.

Wichtig zu berücksichtigen ist, dass für bestimmte Produkte und Produktkategorien individuelle Anforderungen gelten. Lebensmittel bspw. müssen eine Mindesthaltbarkeit von noch mindestens vier Monaten ab Einsendedatum vorweisen können. Frische Äpfel würden sich dementsprechend also weniger eignen. Im Gegensatz zu Cornflakes oder Gummibärchen, die sich innerhalb des Retail Arbitrage Geschäfts großer Beliebtheit erfreuen.

Die beste Vorgehensweise – Nach bunten Preisschildern Ausschau halten

Doch wie geht man am besten vor, um die perfekten Retail Produkte für sein Amazon Geschäft zu finden? Man kann als Händler selbstverständlich nicht durch alle Regale eines großen Kaufhauses gehen und jeden Barcode abscannen, um das perfekte Produkt zu finden.

Philip rät daher seinen Klienten, wie oben schon beschrieben, mit den Wühltischen anzufangen. Dort finden sich oft kleine, reduzierte Schätze, die sich bereits gut auf Amazon verkaufen und an deren Listings man sich nur noch dranhängen muss.

Der nächste Schritt ist tatsächlich durch die Reihen des Marktes zu laufen, aber nicht jedes einzelne Produkt zu scannen, sondern speziell auf Rabattschilder zu achten.

Auch hier gilt wieder die Faustregel: Mindestens 30 % Preisnachlass sollte es auf ein Produkt geben, damit es für den Amazon Händler interessant wird.

Sondereditionen – Beispiel: weiße Snickers

Retail Arbitrage Produkte müssen keine Besteller sein. Im Vordergrund steht die Marge. Besonderes Augenmerk schenkt Kleudgen den Sondereditionen renommierter Marken. Sein Lieblingsbeispiel
an dieser Stelle sind weiße Snickers.

Da er selbst ebenfalls als Seller auf amazon.de seinem Geschäft nachgeht, ist er immer wieder auf der Suche nach Schätzen für das eigene Sortiment.

Vor einigen Jahren sah er in einem Supermarkt weiße Snickers an der Theke. Zur damaligen Zeit wurde diese Sonderedition aber noch nicht von vielen Einzelhändlern angeboten, weshalb man die weißen Snickers nur an bestimmten Orten kaufen konnte. Also machte er sich schlau, in welcher Preisklasse die weißen Snickers auf Amazon über den virtuellen Landetisch gingen und wurde schnell überrascht. Bei einem Einkaufspreis von 1,30 Euro für eine Packung mit acht Riegeln wurden teilweise 16 Euro als Verkaufspreis angegeben.

Der Vorteil bei dem Produkt: Jeder kennt es und braucht keine weitere Erklärung mehr.

Also besorgte er sich diese weißen Snickers, hängte sich an ein Listing und verkaufte über Wochen und Monate die weiße Sonderedition mit großer Marge weiter.

Kleiner Aufwand. Großer Profit.

Genau auf diesem Beispiel beruht das System von Philip, das er jedem Händler, der ihn um Rat bittet, mit an die Hand gibt. Mit möglichst kleinem Aufwand, den größtmöglichen Profit zu erwirtschaften. Verkauft sich ein reduziertes Produkt gut auf Amazon? Wenn ja, dann einkaufen und an das Listing hängen. Dies muss nicht nur mit Neuware geschehen. Auch gebrauchte Artikel lassen sich hervorragend für den Einstieg ins Retail Arbitrage Geschäft verwenden und hohe Margen erzielen – sehr beliebt: Bücher.

Möchte man sein Retail Arbitrage Business skalieren, lohnt sich ein Outlet Store Besuch. Fashion Artikel, speziell Schuhe, können in höheren Stückzahlen und zu besseren Preisen als in herkömmlichen Kaufhäusern erworben werden und ermöglichen Gewinnspannen im fünfstelligen Bereich, so Philip Kleudgen.

Trotz alledem sieht er dieses Geschäft eher als Einstieg ins größere Amazon Business. Um zu lernen, wie es überhaupt funktioniert, an welche Listings man sich dranhängen kann und welche Bereiche es überhaupt gibt.

Aus diesem Grund erklärt Kleudgen seinen Beratungskunden häufig, dass sie dieses Geschäft ein paar Monate testen und lernen sollen, um danach in den reinen Online Handel zu wechseln.

Aus einem breiten Sortiment in die Nische

Denn ab einem bestimmten Zeitpunkt im Business erkennt man, dass bestimmte Produktkategorien oder einzelne Produkte sich besser verkaufen als andere.

Im Laufe der Zeit baut man sich als Retail Arbitrage Händler ein immer breiteres Sortiment auf, ohne Spezialisierung auf eine bestimmte Kategorie. Das können bis zu vierstellige ASIN-Anzahlen bei herauskommen, wenn man fleißig ist. Kennt man sich aber in einer Produktkategorie aufgrund von Hobbies und privater Interessen sehr gut aus, kann dies ein geeigneter Hebel für den Übergang zur Online Arbitrage sein.

Als passionierter Läufer, kennt man sich höchstwahrscheinlich mit gängigen Preisen für Laufbekleidung aus. Mit dem angeeigneten Wissen aus dem Retail Arbitrage Geschäft und dem Hobby ist es durchaus plausibel in dieser Nische sein Geschäft aufzuziehen.

Kleinstmengen ins FBA Lager? Wie funktioniert die Logistik?

Normalerweise ist das Retail Arbitrage Geschäft ein reines FBA Geschäft. Es gibt aber auch vereinzelt Produkte, die für den FBA Handel gesperrt sind. Dazu zählen beispielsweise Spraydosen.

Jetzt fragen sich sicher viele, ob man tatsächlich seine fünf Fläschchen Nagellack oder seine drei Tuben Haargel ans Amazon Lager verschickt. Kurz gesagt: Nein.

Man muss für den Versand ins Lager schon eine gewisse Anzahl an Produkten zusammenbekommen, um mehrere Kisten vollzukriegen und sie daraufhin versenden zu können. Außerdem haben viele verschiedene Produkte den Vorteil, dass man sofort mehr ASINs zusammen hat, die das Sortiment vergrößern.

Zum Schluss – Fettnäpfchen, in die jeder tappt

Die Zulassungsbeschränkung ist ein Fettnäpfchen, in das jeder neue Amazon Seller tappt. Nicht jede Produktkategorie ist jedem Seller für den Handel freigegeben. Besonders wenn es um Luxusmarken geht, ist Amazon besonders streng, was die Auswahl der Verkäufer betrifft. Daher sollte man sich als neuer Amazon Seller jedes Mal, bevor man ein Produkt in sein Sortiment aufnimmt, checken, ob die Kategorie des Produktes für einen selbst gesperrt ist. Dies funktioniert meistens durch den Barcode Scanner in der Seller App, in der dies sofort angezeigt wird.

Im Falle einer Sperrung kann man in vielen Fällen aber einen Antrag bei Amazon auf Entsperrung stellen und ist ab diesem Moment für diese Kategorie dauerhaft freigeschaltet. In manchen Fällen braucht man dazu Originalrechnungen vom Hersteller, um freigeschaltet zu werden.

Für Marken, wie LEGO oder Playmobil muss man dahingehend schon etwas länger als Seller auf Amazons Straßen unterwegs sein. Der Grund dafür ist, dass Amazon ein besonderes Kundenerlebnis schaffen möchte. Dies geht nur mit erfahrenen Händlern.

Darüber hinaus kann eine zu kleine Kalkulation des Verkaufspreises negative Folgen für das eigene Geschäft haben. Hängt man sich mit seinem Produkt an ein Listing mit ca. 20 weiteren Händlern, ist die Gefahr groß, dass einer dieser anderen Seller schnell seine Produkte loswerden möchte, um Platz für Neuware zu schaffen. Wenn er im Zuge dessen seine Preise so drastisch senkt, dass er alle anderen unterbietet, wird man seine eigenen Produkte nicht mehr los. Aus diesem Grund ist es wieder ratsam mit kleinen Mengen zu handeln. Wenn man in ein solchen Konkurrenzkampf gerät und verliert, dann tut es einem selbst nicht so sehr weh, da man noch hunderte andere Produkte hat.

Fazit: Der Anfang ist schnell gemacht.

Wie man sieht, ist der Einstieg ins Amazon Geschäft gar nicht so kompliziert, wie es anfänglich den Anschein macht. Philip Kleudgen und sein Team von Amaclick stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung.

Die Produktvielfalt im Retail Arbitrage ist schier grenzenlos. Alles, was einen Barcode hat, kann für Arbitrageure im Amazon Geschäft lukrativ sein.

Ihr habt Fragen an uns? Postet diese gerne in die Kommentare. Wir helfen immer gerne.

Zur besseren Übersicht des Interviews:

Zeit Thema
00:00 Intro
00:48 Philip, wie bist Du zum Amazon Geschäft gekommen?
01:28 Wann bist Du selbst in den Amazon Handel eingestiegen?
03:42 Handelsware vs. Einzelhandel vs. Retail Arbitrage: Synonyme oder gibt es Unterschiede?
05:00 Mindestmengen und Kapitalanforderungen – Reden wir über Einzelstücke oder Großmengen?
07:21 Retail Arbitrage mit Lebensmitteln – Wie kritisch ist die Haltbarkeit?
07:56 Wie funktioniert der Scouting Prozess von Produkten? Muss man 50.000 Artikel scannen?
10:03 Aufwand reduzieren: Muss man Zeit in die Listing Optimierung investieren?
10:32 Taschengeld aufbessern oder skalierbares Geschäft?
11:58 Einkauf im stationären Einzelhandel: Kann man Preise verhandeln?
12:58 Was sind handelsübliche Mengen bei Bestellungen in online Shops?
13:44 Wie viele ASINs hat man typischerweise im Sortiment?
16:16 Ausfallwahrscheinlichkeit – Ist Einzelhandel weniger riskant?
17:38 Buy Box Wettbewerb – Wie bewertest Du Konkurrenz?
18:28 Einkauf in Online-Shops – Muss man für die Produktrecherche selbst programmieren können?
19:33 Zulassungsbeschränkte Kategorien und gesperrte Produkte – Wie gehst Du damit um?
23:06 Wie funktioniert die Logistik? FBA oder FBM?
24:07 Gary Vaynerchuks Garage Sale Arbitrage – Prinzipiell der gleiche Ansatz, oder?
25:25 Fettnäpfchen und vermeidbare Fehler – Was würdest Du heute anders machen?
27:25 Schulungen, Kurse und Deine Händlergruppe – Wie findet man Unterstützung?
30:08 Wie kann man dich erreichen?

Philips Emailadresse:
philip@amaclick.de

Die Links zum Video:
https://privatelabeljourney.de/
https://www.restposten.de/
https://www.zentrada.de/

Relevante Amazon Hilfe-Seiten:
Kategorien freischalten
Versand durch Amazon: Verbotene Produkte

 

Handelsware auf Amazon bewerben – Was ist zu beachten?

Handelsware auf Amazon bewerben – Was ist zu beachten?

Im Allgemeinen verfolgen Amazon Händler mit Ihren Werbekampagnen zwei Ziele:

  1. Profitables Umsatzwachstum
  2. Die Verbesserung des organischen Rankings / der organischen Verkäufe

Weil Handelsware regelmäßig von mehreren Händlern vertrieben wird, liegt die Buy Box Quote des einzelnen Händlers oft weit unter 100%. Da eine Verbesserung der organischen Verkäufe dem Werbetreibenden somit nur teilweise zu Gute kommt, hat dieser Aspekt für Einzelhändler weit weniger Bedeutung.

Die Profitabilität der Werbeumsätze bzw. ACoS Optimierung ist somit das vorrangige Ziel.

Beeinflusst wird der ACoS durch den Klickpreis, die Conversion Rate und den durchschnittlichen Verkaufspreis.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Buy Box Wettbewerb zu einem gewissen Preisdruck führt, kann der Produktpreis nicht im Rahmen der Werbestrategie angepasst werden.

Mit Hinblick auf das Buy Box Quoten Argument gehen wir an dieser Stelle auch davon aus, dass der einzelne Händler einen geringeren Anreiz hat, am Listing und somit der organischen Conversion Rate zu arbeiten.

Wenn wir annehmen, dass die Relevanz der gebuchten Keywords sauber geprüft wurde, verbleibt der Klickpreis als zentrale Variable.

Wichtig ist hierbei, dass man sowohl die Standardgebote der Anzeigengruppen, als auch die keyword-spezifischen Gebote steuert. Letztere werden im Bid Management über den Maximum-ACoS-Parameter gesteuert.

Die Berechnung des max. ACoS Parameters und unseren Bid Management Prozess erklären wir in diesem Artikel ausführlich.

Weiterführende Fragen beantworten wir persönlich und in den Kommentaren immer gerne.